Yoga-Blog im Januar

Yoga-Blog im Januar

Ich habe zu Weihnachten ein Buch von meiner Kirchengemeinde Katharina-von-Bora bekommen: „Jesus und Yoga – eine Spurensuche von C. Bittlinger und S. Eckart“. Darüber habe ich mich gefreut, denn das Buch bringt zwei Welten zusammen, die sich oft fremd gegenüber stehen.

Für viele Christen sind die Yogi*nis Esoteriker, die sich wahllos aus fremden Religionen bedienen und sich selbst erlösen wollen. Für viele Yogi*nis sind christliche Kirchen konservativ-verknöchert und körperfeindlich. Dass beide Welten für Menschen einen reichen Erfahrungsschatz bieten, um im Leben nicht nur Materielles zu erleben, sondern auch geistige, spirituelle „Nahrung“ zu bekommen, erschließt sich nur denen, die vorurteilsfrei studieren, üben, beten und erleben.

Ich kenne beide Welten gut. In meiner Kindheit bin ich im katholischen Glauben aufgewachsen. Als junge Erwachsene habe ich 7 Semester katholische Religionspädagogik studiert und darüber hinaus über  zwei Jahre in Kirchengemeinden und Schulen gearbeitet. Hinter den Kulissen der katholischen Kirche habe ich vieles gesehen, was dem vorgetragenen Anspruch nicht gerecht wird. Als Konsequenz habe ich der katholischen Kirche den Rücken gekehrt. Aber nicht dem christlichen Glauben! Meine Familie und ich sind aus Überzeugung evangelisch geworden. Wir sind Teil unserer Kirchengemeinde und engagieren uns nach unseren Möglichkeiten. Darum gebe ich auch seit 2019 (soweit möglich) monatlich eine Yoga-Stunde im Gemeindehaus, was die Gemeinde dankenswerter Weise unterstützt.

Yoga als spirituelle Körperpraxis eröffnet mir seit fast 30 Jahren neue Erfahrungsräume für Körper, Geist und Seele. Natürlich kommt es darauf an, wie ich übe. Ich persönlich unterrichte weder akrobatisch-athletisches Yoga, noch hinduistisch-esoterisches. Mir geht es um die Selbsterfahrung und die Erfahrung der Einheit, der „Religion“ als Rückbindung an unseren Ursprung, des Yoga als „Anjochen/Anschirren“ des Geistes, mit dem Ziel der Konzentration auf das Wesentliche. Patanjali, der Yogaweise, definiert Yoga als ein „Zur Ruhe kommen des Geistes“. Das ist nötig in dieser Welt mit ihren vielen Ablenkungen. Auch die Pflege der Intuition (innere Stimme bzw. Gewissen) ist wichtig.

Die Konzentration auf das Wesentliche hat Jesus gelebt. Er hat sich immer wieder zurückgezogen, um seinen Weg zu finden. Der Körper war ihm wichtig, wie in vielen Heilungs-Geschichten und Speisungs-Geschichten beschrieben. Aber der Körper ist letztlich ein Gefäß für den Geist und die Seele. In diesem Sinne ist es aus meiner Sicht notwendig, zu glauben und Yoga zu üben ohne Ehrgeiz, in Offenheit, in einem Lauschen nach Innen und auf die heiligen Texte, in einer stetigen, gelassenen und  angemessenen Anstrengung.

 

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