Yoga-Blog im Oktober

„Jede Krise ist ein neuer Anfang.“ (Erika Schuchardt 1988)

Die Corona-Pandemie bestimmt zurzeit einen großen Teil unseres alltäglichen Lebens: Masken tragen, Hände desinfizieren, Abstand halten, Husten-und Niesetikette, nur eingeschränkt verreisen und feiern können, Homeoffice, Testen lassen…

Das kann uns verunsichern und ängstigen. Manche leiden unter Kurzarbeit und Jobverlust. Andere sehen keine Perspektive.

Patanjali, dem die Yoga-Sutra zugeschrieben wird, hat vor etwa 2000 Jahren in Indien gelebt. Er sagte: „Yoga citta vritti nirodha“, d. h. „Yoga ist das Zur-Ruhe-Kommen der Aktivitäten des Geistes. Dann scheint in uns die Fähigkeit auf, etwas vollständig und richtig zu erkennen.“ Menschliches Leid entsteht häufig dadurch, dass wir Menschen unsere subjektive Sichtweise der Dinge für die objektive Wahrheit halten.

Patanjali beschreibt auch das Klesha (Hindernis auf dem Yogaweg) Abhinivesha – die Angst. Einerseits ist Angst lebensnotwendig und schützt uns vor zu großen Risiken. Andererseits können uns Ängste und Sorgen einengen und das Leben schwer machen. Angst ist ein starker Antrieb, sich vom Leben zurückzuziehen, nichts mehr zu wagen und auszuprobieren. Angst schwächt uns und macht uns angreifbar.

Je mehr wir Vertrauen wagen, desto sicherer werden wir in jeder Hinsicht. Es hat nämlich oft den Anschein, als würden wir genau das anziehen, was wir fürchten. Wenn wir uns nicht übermäßig sorgen, sondern achtsam und umsichtig sind, gewinnen wir Sicherheit und Gelassenheit für unser Leben. Eine Prise Humor hilft auch. Und eine Verschiebung der Perspektive auf das Positive hin hilft uns, unsere Energie den Lösungen zuzuwenden und nicht nur den Problemen.

Yoga-Üben kann uns dabei helfen, immer wieder neue Energie zu tanken und das anzunehmen, was gerade da ist. Stabiler, ruhiger und ausgeglichener werden. Sich der Gegenwart mit ihren Aufgaben zuwenden und alles Menschen-Mögliche tun, aber auch nicht mehr.

In diesem Sinne halten wir in den Yoga-Gruppen die Hygiene-Regeln bestmöglich ein, schwingen uns aber auch nicht zu „Corona-Polizisten“ auf. Und wir benehmen uns sowohl rücksichtsvoll wie auch solidarisch.

Yoga hilft auch, Einschränkungen annehmen zu können und das Klesha Raga – Habenwollen zu überwinden. Raga  macht uns zu Getriebenen und verhindert, dass sich Zufriedenheit und innere Ruhe einstellen können. Wenn wir weniger erwarten und weniger Wünsche haben, können wir das Leben mit seinen Überraschungen mehr auf uns zukommen lassen.

Die Stille der Lock-Down-Zeit ist mir trotz allem positiv in Erinnerung geblieben. Weniger Verkehr, saubere Luft, weniger Termindruck und dafür mehr Zeit mit der Familie. Und mehr Zeit für Yoga und innere Einkehr…

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